Wie bereits berichtet, ist das Russische Haus in Berlin offiziell geschlossen. Trotzdem hat es geöffnet. Buchhandlung, Kantine, Sprachkurse und Visaagentur laufen weiter, bezahlt wird nur bar.
So weit unser Stand vom 26. September.
Heute berichtet auch die Süddeutsche darüber, mit etwas, das auf den ersten Blick neu aussieht.
Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin bestätigt der SZ laufende Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt bzw. Mieter des Russischen Hauses wegen Verstößen gegen das Außenwirtschaftsgesetz.
Hintergrund ist Rossotrudnitschestwo: Die Betreiberbehörde steht seit Juli 2022 auf der EU-Sanktionsliste. Zahlungen können gegen das Bereitstellungsverbot verstoßen, wenn sie der gelisteten Behörde zugutekommen.
Ganz neu ist die Spur nicht.
Schon im Dezember 2025 haben die Antwortseiten bei den zuständigen Stellen nachgefragt.
Die Generalstaatsanwaltschaft nannte uns damals zwölf Verfahren, drei davon noch offen, am häufigsten gehe es um Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz. Gegen wen, blieb offen:
Es könne sein, dass Anzeigen gegen Mieter des Hauses erstattet wurden.
Die Generalzolldirektion wollte sich zum Einzelfall nicht äußern, stellte aber klar, dass Mietzahlungen gegen das Bereitstellungsverbot verstoßen können, wenn sie der gelisteten Organisation zugutekommen.
Zehn Monate später bestätigt die Generalstaatsanwaltschaft der SZ also, was uns im Dezember bereits mitgeteilt wurde. Fraglich ist, warum man davon seit damals so wenig merkt: Unten im Haus werden weiter Bücher verkauft, Visa vermittelt und Pelmeni gegen Bargeld ausgegeben.
Wer am Ende kassiert, scheint jedenfalls auch nach dem neuesten SZ-Artikel bis heute niemand so ganz genau zu wissen.
Anfang September sah es nach Abschied aus. Vor dem Russischen Haus in Berlin fuhren Autos vor, Kisten wurden auf Karren weggeschafft, die aus Moskau entsandten Mitarbeiter mussten ausreisen.
In Moskau-Wnukowo wartete Igor Tschaika, Chef der sanktionierten Staatsagentur Rossotrudnitschestwo, mit Blumen auf die kommissarische Leiterin und versprach den Heimkehrern neue Posten.
Pustekuchen. Das Haus ist nicht geschlossen.
Die Sommerpause ist vorbei, drinnen laufen Filme, Ausstellungen und neue Sprachkurse, Familien gehen ein und aus. Über der Tür steht „Herzlich willkommen“.
Und draußen werden die Menschen, die seit Jahren mit Ukrainefahnen davorstehen, heftiger beschimpft und inzwischen sogar bespuckt. Kameras am Haus filmen seit Jahren den Bereich vor dem Gebäude; Aufnahmen wurden bereits in Polizeiverfahren gegen Demonstranten verwendet. Ob sie dabei unzulässig auch den öffentlichen Straßenraum erfassen, prüft die Berliner Datenschutzbehörde seit 2025.
Ein deutsches Gericht hat das Haus institutionell längst eingeordnet: mit Rossotrudnitschestwo „identisch bzw. deren unselbständiger Teil“.
Trotzdem erzählen Wagenknecht, Dağdelen und AfD-Politiker, hier werde russische Kultur angegriffen.
Puschkin wurde verbannt, Dostojewski zum Tode verurteilt und erst auf dem Richtplatz begnadigt, Bulgakows Bücher wurden verboten, Mandelstam starb im Lager.
Das war der russische Staat, nicht Berlin.
Wer heute eine sanktionierte russische Staatsagentur im Namen Puschkins verteidigt, versteht Russland nicht besser. Er spricht nur die Sprache des Kremls.
Moskau tanzt uns auf der Nase herum. Aber es braucht dafür Leute hier, die die Musik machen.
Mehr dazu auf den Antwortseiten. Den Link findet ihr unten.