Gestern fand eine historische, bis auf den letzten Platz gefüllte Veranstaltung im österreichischen Parlament statt: eine offene, sachliche und kritische Diskussion zu Geschlechtsidentität. Veranstaltet vom
@AthenaForumEU gemeinsam mit dem ÖVP Parlamentsklub und dem Campus Tivoli.
Ein großer Dank gilt allen Beteiligten, den Anwesenden und insbesondere unseren Podiumsgästen. Besonders eindrücklich war der berührende und aufwühlende Bericht der Vertreterin der Elterngruppe ROGD Österreich. Sie schilderte ihre eigenen Erfahrungen mit Schule, Sozialarbeit, Kinder- und Jugendhilfe und dem Familiengericht in Wien, die schließlich dazu führten, dass sie die Obsorge für ihre minderjährige Tochter verlor, weil sie nicht so tun konnte, als wäre das Mädchen ein Junge.
Wir hoffen sehr, dass diese Veranstaltung Strahlkraft über Österreich hinaus entfaltet und die Stimmen, die bislang aus dieser Debatte hinausgedrängt wurden, endlich auf politischer Ebene Gehör finden.
Hier die bemerkenswerte Videobotschaft von Familienministerin Claudia Bauer (
@claudiabauer_at) im Wortlaut:
“Sehr geehrte Damen und Herren, dieser Abend versucht etwas, das mittlerweile selten geworden ist: nämlich über ein Thema zu sprechen, bei dem schon einfache Fragen als Tabu gelten. Worum geht’s?
Fragen von Geschlecht und Geschlechtsidentität sind heute ganz offensichtlich keine Randfragen mehr. Sie berühren den Schutz von Kindern und Jugendlichen, sie berühren Frauenrechte, und sie berühren die Freiheit, offen zu sprechen und Wahrheiten zu benennen. Für mich gelten dabei drei Dinge.
Erstens: Die Würde jedes Menschen steht nicht zur Debatte. Nicht bei uns. Menschen, die mit ihrem Geschlecht und ihrer Identität ringen, gibt es. Es hat sie immer gegeben. Aber wer mit seiner Identität hadert, braucht jemanden, der zuhört und Halt gibt. Und er braucht jemanden, der Fragen beantwortet und Fragen stellt. Was er oder sie nicht braucht, ist jemand, der diese Unsicherheit zusätzlich befeuert und in eine Richtung treibt.
Zweitens: Kinder und Jugendliche brauchen einen besonderen Schutz, gerade in Phasen, in denen sie unsicher sind. Die Pubertät ist so eine Phase der Unsicherheit. Das war sie bei jedem von uns. Was Kinder und Jugendliche da brauchen, ist Zeit und Begleitung – durch Freunde, durch Lehrerinnen und Lehrer, durch Eltern. Und ja, das kann manchmal auch professionelle Begleitung sein. Das funktioniert aber nur, wenn Eltern auch eingebunden und nicht übergangen werden. Und falls dann Entscheidungen getroffen werden, müssen sie auf Basis von wissenschaftlicher Evidenz getroffen werden, nicht auf Basis von Stimmungen und sicher nicht auf Basis von Identitätspolitik.
Und drittens: Wir brauchen eine Debattenkultur, die das aushält. Wer Fragen stellt, ist nicht automatisch ein Gegner. Wer Rechte einfordert, ist nicht automatisch ein Ideologe. Das gilt gerade dort, wo Rechte aufeinandertreffen, zum Beispiel auch das Recht von Frauen auf Schutzräume – im Sport, in der Schule. Diese Schutzräume haben sich Frauen erarbeitet und erkämpft. Darüber muss man reden dürfen, die muss man verteidigen dürfen.
Manche halten schon die Fragen, die heute Abend gestellt werden, für Angriffe. Das ist vollkommen falsch. Respekt ist nicht Zustimmung. Respekt ist nicht blinde Bestätigung. Und genauso wenig ist Widerspruch Verachtung. Wer den Widerspruch nicht aushält, vertraut seinen eigenen Argumenten nicht.
Und lassen Sie mich einen letzten Punkt auch noch anfügen: Mehr als die Hälfte der jungen Menschen traut sich nicht mehr, Themen offen anzusprechen, die sie beschäftigen. Was sagt das über unsere Gesellschaft, über unsere Demokratie, über die Meinungsfreiheit aus?
Und ganz in diesem Sinne wünsche ich Ihnen heute eine offene, eine sachliche und vor allem eine spannende Diskussion.”
@GudrunKugler @betti_reiter @EGG_OE
Fotos:
@ChristianHoegl